Tierschlaf der Fischleute

In Paul Klees Zwischenreich schwimmt ein grüner Hund. Er gehört dem Mann, der durch die Glasscheibe hineinsieht. Er schläft und er heißt die Gedanken der Fischleute willkommen: Seid frei hier und schwimmt auf Grund. Der Hund ist bereits angekommen. Als das Aquarium zerbricht, erwacht auch der Mann - ein Aquarell in den Pfoten.

Übrigens

Wäre da nicht die Angst, sich zu verkrümeln, würde so mancher Spaßvogel sicher alle Scherzkekse aufessen.

Was von Seele zu schwafeln

Notiz

(Heute Grünbein zitieren. Darf man das?)

Randfrage: Was war eigentlich mit der Hirnforschung in der DDR? Gab es “das” Leib-Seele-Problem? Oder lag die Seele da auf Grundeis im Sinne eines kalten Krieges zwischen Gehirn und Geist?

Hauptfrage: Wann fing die Seele im Gedicht AN AUFzuhören, wann fing das Gehirn an? Gibt es da einen Schnitt? Heute reden alle vom Gehirn: Raoul Schrott, Grünbein, Goetz: “Ihr könnts mein Hirn haben“ 

Ich lese: Die Seele hat spätestens mit der Erfindung der Taschenuhr im 15. Jahrhundert ihren Geist aufgegeben und sich in die Literatur zurückgezogen. Dann kam Descartes (missverstanden), dann die Weltmaschine. Dann Reanimierung durch die Romantik, dann wieder die Seelenfledderer Ärzte: Virchow: “Ich habe schon viele Leichen seziert und nie eine Seele gefunden”, dann Freud, dann Benn: (Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch) : “Was ist eure Seele?” Und Francis Crick natürlich - aber der ist auch tot.

Wann haben wir zuletzt aufgehört von Seele zu schwafeln, seit wann reden wir vom Gehirn? Haben wir überhaupt aufgehört?

Heute heißt das: Geist und MIND - sagt mir neulich ein Neurobiologe. Das Leib-Seele Problem gibt es nicht mehr. Das heißt jetzt mind-body-problem. Oder: Gehirn-Geist-Problem. 

Was du bist steht am Rand

Anatomischer Tafeln.

Dem Skelett an der Wand

Was von Seele zu schwafeln 

Liegt gerad so verquer

Wie im Rachen der Zeit

(Kleinhirn hin, Stammhirn her)

Diese Scheiß Sterblichkeit

(Durs Grünbein, Schädelbasislektion, 1991)

Wann gab die Seele in der Literatur ihren Geist auf?

Wann fing das Gehirn an?

Mein Sohn (6) hatte gestern zum ersten mal Übernachtungsbesuch von 2 Freunden. Sie hatten sich fest vorgenommen, nicht einzuschlafen und sich hierfür Zettel und Stifte mit ins Bett genommen (ganz heimlich natürlich, so dass ich nichts merke - ich lasse sie mal in dem Glauben). 

Heute morgen habe ich beim Aufräumen dann diesen Zettel im Papierkorb gefunden :). 

Herbst

Verzweifelte Kastanienkinder

wollen gefallene Blätter sammeln

Zu spät

Ein Dichter

hat sie alle aufgelesen

Blumenasche

Blumenasche war das letzte Wort, das von dem merkwürdigen Traum übriggeblieben ist, den ich letzte Nacht träumte. (Merke: Schreibe bedeutsame Worte niemals kursiv, oder fett oder gar in Anführungszeichen!). Träume, seit ich in Frankreich bin nur noch wirres Zeug: angeblich wegen der Proteine, die ich hier vermehrt zu mir nehme: Garnelen, Garnelen, Austern, Garnelen und so weiter. Wobei: Austern habe ich bisher nur angesehen. Heute: 2. Versuch. Essen zu trinken, wenn man nicht gerade durchs Weltall fliegt, darauf können auch nur die Franzosen kommen. 

Außerdem vorm Schlafen: 1. Mitch Albom: “Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen” (Das ist ein Titel. Der muss in Anführungszeichen, oder fett, oder kursiv). Merke: “Keine Geschichte steht für sich allein da. Manchmal berühren sich mehrere am Rand, manchmal verdeckt die eine wie Kieselsteine in einem Fluss die andere.”

Danach: Sven Regener Hörbuch - irgendwas mit Blog. Da wurde unter anderem die “Straßenbahn des Todes” - (oder Grauens?) erwähnt. 

Der Traum ging nun also so: Bin mit Freunden auf einer Party. Geburtstagsparty von Sven Regener, wie sich später herausstellt. Der Gastgeber liegt in einem Nebenraum auf der  Couch, wie sich noch später herausstellt. Kaum verlässt er schlaftrunken den Raum, wird er getadelt: “Wo bleibst du denn? So geht das hier nicht! Das ist doch deine Party!” Und so weiter. Ich: “Nun lasst doch mal den armen Mann in Ruhe, der wird schon wissen, was er da tut.” Sven Regener geht in die Küche und meint: “Das erste Gedicht, das du schreibst muss Blumenasche heißen.” Ende

Als ich aufwache, kann ich mich erstmal nur an die Blumenasche erinnern. Der Rest kam bei Frühstück wieder.

Vermute nun eine Vermischung von: 1. Straßenbahn des Todes, 2. Blume des Bösen (wegen Baudelaire und Frankreich und so) 3. Es könnte Auch Blueman-Asche heißen. In Alboms Buch kommt nämlich ein blauer Mann vor (er heißt: Der blaue Mann), der dem verstorbenen Helden als einer von 5 Personen im Himmel den Sinn des Lebens erklärt. Außerdem gibts in dem Buch viele viele Geburtstage.

Abwegig, aber gut.

An enchanting mixture of perfected movement and the imperfection of form - just beautiful

Kinder, Kinder - autoritäre Erziehung 2010

Potsdam Innenstadt, 01. Dezember 2010, 15 Uhr:

Mutter: ” Felix, ich habe dir gesagt, dass du dir eine Strafe aussuchen musst. So geht es nicht….”

Sohn: “Aber…”

Mutter: ” Du weißt, welche Möglichkeiten du hast. Es gibt 3 Strafen und davon darfst du dir eine aussuchen. Ohne Strafe geht es nicht. So, und jetzt überlegst du dir bitte, welche du haben möchtest.”  

Soweit der sicher  aus einem differenzierten Gesprächszusammenhang gerissene Fetzen autoritärer Erziehung 2010. Eingefangen in der bildungsürgerlichen Mitte Potsdams.

Im Glauben an die Kraft der Selbstbestimmung dürfen unsere Kleinen heute scheinbar vor allem eins: selbst entscheiden, was sie wollen. 

Tatsächlich entziehen Eltern ihren Kindern heute mehr den je die Möglichkeiten freier Entscheidungen. Warum?

Früher hieß es: Ob du willst oder nicht, du machst das jetzt, basta!

Heute geht das anders - subtiler und grausamer: Dem Kind wird nur scheinbar zugestanden, etwas nicht wollen zu dürfen. Gleichzeitig wird ihm diese Selbstbestimmung genommen:

“Man denke an eine Situation, die die meisten von uns aus ihrer Jugend kennen: das unglückliche Kind, das am Sonntagnachmittag seine Großmutter besuchen muss, anstatt mit Freunden spielen zu dürfen. Die Botschaft des altmodschen autoritären Vaters an das widerwillige Kind würde lauten: “Es ist mir egal, wie du dich fühlst. Erledige einfach deine Pflicht, geh zu deiner Großmutter und benimm dich anständig!” In diesem Fall ist die Lage des Kindes letztlich nicht schlimm: Obwohl es gezwungen wird, etwas zu tun, das es ganz eindeutig nicht tun will, kann es seine innere Freiheit behalten und die Fähigkeit, (später) gegen die väterliche Autorität zu rebellieren. Viel schwieriger wäre es mit der Botschaft eines “postmodernen”, antiautoritären Vaters: Du weißt doch, wie sehr dich deine Großmutter liebt! Trotzdem möchte ich dich nicht zwingen, sie zu besuchen - geh nur zu ihr, wenn du es wirklich willst!” Jedes Kind, das nicht blöd ist (also die meisten Kinder), wird sofort die Falle dieser nachgiebigen Haltung erkennen: Hinter dem Anschein der Wahl ibt es eine noch tyrannischere Forderung als diejenige, die der traditionelle Befehl, nicht nur die Großmutter zu besuchen, sondern es auch freiwillig zu tun, aus dem freien Willen des Kindes heraus. Eine solche falsche freie Wahl ist der Befehl des obszönen Über-Ichs: Es beraubt das Kind sogar seiner innersten Freiheit und ordnet nicht nur an, was es tun soll, sondern was es wollen soll.” (S. Zizek: Lacan)

Wir glauben, uns selbst am besten zu kennen. Zu wissen, was wir wollen, denken, glauben. Daniel Dennett stellt die Frage: Can we know our own minds? und bringt Argumente dafür vor, dass wir nicht nur nichts über unser Bewusstsein wissen können, sondern dass uns unser Gehirn sogar an der Nase herumführt…